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Teil 2 – Herr der Raketen – Die zwei Türme

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Wie soll ich das einigermaßen appetitlich erzählen – scharenweise werdet ihr nun aus meinem Blog wegrennen. Was soll’s – es gibt Neuigkeiten aus Auenland:

Elbin Laila ist schon eine Woche fort. Südlich nahm sie ihren Weg, überquerte den großen Fluss und wohnt nun in Minas Tirith. Durch Häuserfluchten, über steinerne Brücken und durch dunkle U-Bahn-Hallen führt sie nun ihr täglicher Gang. Ein Mensch und ein Labi sind ihre neuen Begleiter und haben sie schon ins Herz geschlossen. Ihre treuen Gefährten Ben und Mazel aber weilen immer noch im Auenland, ihrer Heimat.

Kaum war die Elbin fort, wurde es bitterkalt. Es stürmte, Schneeschleier tanzen nun über die Terrasse und die Pfotenabdrücke von einst froren ein, stumme Zeugen einer vergangenen Zeit. Fast sieht man sie nicht mehr, die Schneeglöckchen, die sich schon durch den Boden gebohrt hatten.

Aber nun, nach diesem netten Vorgeplänkel, zum eigentlichen Thema:

An der nördlichen Grenze des Graslandes steht seit Anbeginn der Zeit ein dunkler Turm. Hohl war er einstmals, mit Lüftungsschlitzen versehen und Deckel, denn er ist Sammelstätte der Raketen, die die beiden Gefährten Ben und Mazel täglich absetzen. Auch Laila beteiligte sich in den über zwei Monaten, die sie bei uns weilte, treu an der Füllung des Turmes. Andere Raketen liegen im Hundewald oder wurden auf Spaziergängen durch Eriador (die Gegend um Auenland) von uns eingesammelt und in öffentlichen Mülleimern entsorgt. Indes, die Hauptlast bis zu dreier Hunde trug wohl das Auenland, denn nun ist es geschehen, der Turm ist voll.

Mit Zagen zog ich also heute in die Stadt und erwarb für einen ausgezeichneten Preis einen weiteren Turm. Ein Zwillingsmodell des alten, der ihm gleicht wie ein Ei dem anderen, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied, dieser Turm war noch neu und komplett hohl.

Nun stehen da hinten im Garten dicht nebeneinander zwei dunkle Türme. Das Aufbauen des zweiten beanspruchte keine fünf Minuten.

Man kann es dem linken Turm nicht übel nehmen, dass er voll war. Im Winter stoppt die Zersetzungstätigkeit. Das Bodenleben begibt sich in tiefere Schichten und verdämmert den Winter in Winterstarre oder Ei. Dennoch quälte mich die Frage, ob, gemäß der Internet-Recherchen, die Rotte im vergangenen Sommer wenigstens pflichtschuldigst betrieben worden war.

War wenigstens die untere Schicht in Erde umgewandelt oder stand ich doch vor ca. 300 Litern Raketen? Beängstigend! Stand ich also vor der Aussicht, zukünftig doch die schwarze Tonne in der Garage zu verpesten beziehungsweise mich nun jedes Jahr mit einem weiteren Turm einzudecken?

Nach einem kontemplativen Moment öffnete ich den linken Turm und besah die Bescherung, die sich über ein Jahr dort angesammelt hatte. Dann schritt ich zur Tat. Wer das nun nicht erträgt, hat wieder einmal die Gelegenheit wegzuclicken. Ab jetzt auch für die Harten keine Bilder mehr.

Aufgrund der Fülle organischen Materials beschloss ich, die Angelegenheit hier ein für alle Mal zu erledigen und lockerte zunächst das Erdreich unter dem zweiten Turm. Danach füllte ich eine Schicht trockenen Staudenschnittes ein, denn die unterste Kompost-Schicht muss durchlässig und locker sein, um überschüssiges Wasser durchzulassen.

Dann besah ich mir mit großem Bedauern meine Gartengeräte und wählte schließlich die Grabforke aus. Die Schreibweise derselben dünkt mir merkwürdig, alas, sie stimmt. Nur weiter also.

Auf die grobe Schicht setzte ich nun fein säuberlich schiefe Quader Raketenmasse, die ich gleich mit einer wohlbemessenen Prise Kompostbeschleuniger bestreute.

Darauf wieder Material aus dem Küchenkompost, darauf wieder Raketen und Kompostbeschleuniger.

Ich war sehr froh, dass ich dieses Unternehmen ohne lästige Zeugen hinter mich bringen konnte, abgesehen vom Nachbarn, der auch draußen werkelte. Aber der hat jede Menge Tiere, deshalb unterstelle ich ihm mal eine hohe Ekeltoleranz. Egal.

Ich versage mir die Freude, meine Leser mit lebhafter Schilderung verschiedener Sinneseindrücke in Käptn Blaubärs berüchtigte Saloppe Katatonie zu treiben. So schlimm fand ich das mal nebenbei gar nicht. Muss mein bäuerliches Erbe sein. Außerdem stellte ich mich ganz geschickt an und sah mich höllisch vor.

Als nun vielleicht die Hälfte des linken Turminhaltes abgetragen war, geriet ich in freundliche Schichten. Vorsichtshalber arbeitete ich solange weiter, bis der rechte Turm fast voll war. Danach erklärte ich das Werk als vollbracht.

Das war ein schwarzer Tag für den rechten Turm. Ich will mir nicht vorstellen, was man ihm nach seiner Fertigung erzählt hat, was seine Aufgaben sein würden. Aber auf der anderen Seite musste er nicht lange leiden und ist nun Schauplatz einer Heißrotte. Und das kann nicht jeder Komposter von sich behaupten.

Füllt man nämlich nicht über längere Zeit und gemächlich organisches Material zu (kalte Kompostierung), sondern setzt den Kompost gleich komplett auf, am besten in verschiedenen Schichten oder wenigstens mit grobem Material durchmischt, da für den Vorgang Sauerstoff benötigt wird, spricht man von einer Heißrotte. Die große Menge kompostierenden Materials erwärmt sich in der ersten Phase auf um die 65 °C. Dabei werden die meisten Krankheitskeime oder sich versamende Unkräuter abgetötet.

Nach der Heißrotte sinkt die Temperatur wieder und Bodenlebewesen ziehen ein, um das Material weiter zu zersetzen und in Humus umzuwandeln.

Bei Temperaturen zwischen 10°C und 35 °C sind die Bodenlebewesen aktiv. Von meinem neuen Raketenkompost ahnen sie also noch nichts, die Armen.

Ein im Frühjahr aufgesetzter Kompost ist nach 6 – 9 Monaten umgesetzt. Die fertige Erde will ich dann also im Herbst unter der Grenzhecke verteilen. Die freut sich bestimmt.

Zufrieden, Rike Menn


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